ddr-im-www.de - Home

ddr-im-www » Berichte » Der Fall Matthias Domaschk wird in Gera verhandelt
<< voriger Artikelnächster Artikel >>


Der Fall Matthias Domaschk wird in Gera verhandelt

Berlin, 21.09.2000. Am kommenden Mittwoch, dem 27. September 2000, findet um 10 Uhr vor dem Amtsgericht in Gera (Rudolf-Diener-Straße 1/ Raum 317) unter dem Aktenzeichen 520 Js 11638/93 10 Cs ein Prozeß gegen MfS-Mitarbeiter statt.

Hintergrund ist der Tod von Matthias Domaschk. Der 23-jährige Jenaer war am 10. April 1981 festgenommen worden und nach Verhören in der Stasi-Untersuchungshaft Gera am 11./12. April unter bis heute ungeklärten Umständen ums Leben gekommen. Die Anklage gegen Friedrich Willi Heinz Lehmann und andere MfS-Mitarbeiter ist auf Freiheitsberaubung reduziert worden. Ermittelt worden war wegen "Freiheitsberaubung mit Todesfolge". Peter Rösch, der gemeinsam mit Matthias Domaschk festgenommen wurde, wird als Zeuge gehört.


Matthias Domaschk und Peter Rösch waren aktiv in der oppositionellen Offenen Arbeit der Jungen Gemeinde in Jena. Am 10. April 1981 wurden beide in Jüterbog aus dem Zug nach Berlin heraus festgenommen und am nächsten Morgen zu Stasiverhören nach Gera gebracht. Beide hatten vor, eine Wohnungseinweihungsfeier von Freunden in Berlin zu besuchen. In Berlin fand gerade der X. Parteitag der SED statt und das MfS war mit der Aktion "Kampfkurs X" beauftragt. Die Herrschenden befürchteten das Übergreifen des "polnischen Bazillus". Dem "Schild und Schwert" der Partei war durch jahrelange "Bearbeitung" bekannt, daß Matthias Domaschk Verbindungen zur Charta 77 in Prag hatte, an politischen Lesekreisen in Privatwohnungen teilgenommen hatte und sich an den Protesten in Jena gegen die Biermann-Ausbürgerung beteiligte. Die Beerdigung von Matthias Domaschk wurde eiligst vom MfS arrangiert. Trotzdem kamen unter bedrohlicher Stasipräsenz ca. 150 Freunde zur Beerdigung.

Der Tod von Matthias Domaschk, der von vielen als Mord empfunden wurde, wirkte als Fanal für sich verstärkende oppositionelle Aktivitäten in Jena. Eine Erinnerungs-Plastik wurde von Stasi-Mitarbeitern vom kirchlichen Friedhof gestohlen. Bereits 1983 waren fast alle Freunde und Bekannte von Matthias Domaschk nach Verhaftungen mehr oder weniger gewaltsam aus dem Land gedrängt worden.

Seit 1990 lief bei der Staatsanwaltschaft Gera Anzeige wegen Klärung der Todesumstände - die Ermittlungen blieben erfolglos. Jürgen Fuchs beschrieb in seinem Buch "Magdalena" ausführlich die fragwürdige Ermittlungsarbeit.

Die Landesbeauftragten für die Stasiunterlagen aus Thüringen und Sachsen-Anhalt und Mitarbeiter des Matthias-Domaschk-Archivs Berlin werden den Prozeß beobachten.

MATTHIAS-DOMASCHK-ARCHIV BERLIN
in der ROBERT-HAVEMANN-GESELLSCHAFT e.V.
Beirat: Bärbel Bohley, Dieter Hoffmann, Hartmut Jäckel, Roland Jahn,
Martin Jander, Jens Reich

www.havemann-gesellschaft.de
e-mail: mdomaschk@havemann-gesellschaft.de

Matthias-Domaschk-Archiv, Schliemannstr. 23, 10437 Berlin Telefon:
030-447 108 22/20/21
Frank Ebert/Gerold Hildebrand/Tom Sello/Anne Vogel/Olaf Weißbach
Fax: 030-447 108 29

Rückfragen sind möglich über das Matthias-Domaschk-Archiv/Frank Ebert
Tel. 030-447108-20/21/22 oder Gerold Hildebrand: 030-4423972

Das Amtsgericht Gera ist erreichbar über Tel. 0365-8342057, Fax:
0365-8342007


Kommentieren Sie bitte unten!
 

Artikelbewertung 

Bitte bewerten Sie diesen Beitrag:



Kommentare

Keine Kommentare vorhanden.



Kommentar hinzufügen
(Bitte beachten Sie, daß Ihr Kommentar erst nach redaktioneller Prüfung öffentlich sichtbar ist!)

:
:
:
Ihre Email- oder Webadresse wird nur zur eventuellen Kontaktaufnahme der Redaktion zu Ihnen verwendet und wird nicht veröffentlicht!
:


<< voriger Artikelnächster Artikel >>
Die Sprachnudel (www.sprachnudel.de)  Dezember 2008 - Das Wörterbuch der Jetztsprache



Feed abonnieren:


Add to Google Reader or Homepage


Add to My AOL


Add to Excite MIX


Aktuelle Kommentare
  • T. Neumann meinte:
    Schön zu lesen, das es noch Menschen gibt, die sich nicht in die von den Medien...
  • Janek Liebetrut... meinte:
    Wir würden das Lied gern in eine Theaterinszenierung einbauen. Weiß jemand wo oder...
  • Townsville meinte:
    So ein Blödsinn. Ich zitiere Mal Amthor zum Thema Gauck und Stasi: „...es war...
  • Horst Frenzel meinte:
    Ich entschuldige mich hiermit dafür, daß ich nie etwas mit der Stasi zu tun hatte,...
  • Lena meinte:
    Auch von mir noch ein Kommentar zur Suizidstatistik: ein wissenschaftlich schwierig...
  • Frank meinte:
    @ Dettlev Dem was Du an kritischen Betrachtungen der DDR anführst, wäre sicher...
  • Menon meinte:
    Von welcher "innerdeutschen Grenze" faseln Sie da nur? Falls Sie damit die...
  • Ronny meinte:
    Was 1989 mit der DDR passiert ist kann man mit "Besatzermentalität"...
  • Uschi meinte:
    Also doch Zensur? Falls Sie es doch veröffentlichen eine kurze Sammlung von Fakten...
  • Joachim Dietric... meinte:
    Ich bin fast so alt wie die DDR und habe daher an die 40 Jahre dort gelebt....

Seitenstatistik
Zur Statisktik