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![]() S-Bahnhof Friedrichstraße, 1994
Das Brandenburger Tor, 1988.
Die Mauer. Leipziger Straße. |
Warum eine Mauer? Die SED hatte mit einer sich seit 1960 verschärfenden innenpolitischen Krise zu kämpfen. Die Fluchtbewegung in Richtung Westen war durch die unerbittliche und in hohem Tempo vorangebrachte Kollektivierung der Landwirtschaft sowie zum Teil des Handwerks verstärkt worden, Versorgungsengpässe verschärften die Situation weiter. Die Planzahlen hatten sich als zu optimistisch herausgestellt und mußten nach unten korrigiert, die Staatsverschuldung erhöht werden.Um die innenpolitischen Probleme dem "Klassenfeind" anlasten zu können, bezeichnete die DDR-Führung das im September 1960 durch die Bundesregierung aufgekündigte Interzonenabkommen als vom Westen gesteuerten "Wirtschaftskrieg". In zwei Briefen an Nikita Chruschtschow räumte Walter Ulbricht ein, daß aufgrund der desolaten wirtschaftlichen Lage der Siebenjahrplan nicht mehr erfüllt werden könne und nach unten zu korrigieren sei (1958). Im zweiten Brief, im August 1961 geschrieben, beklagte Ulbricht die kurzfristige Verschuldung bei Staaten des kapitalistischen Auslands in Höhe von 550 Mio. Valutamark und berichtete, daß die DDR im Jahre 1960 zeitweise zahlungsunfähig gewesen sei. Dabei versäumte Ulbricht nicht zu erwähnen, daß die wirtschaftlichen Schwierigkeiten nicht zuletzt auch Folgen des hohen Anteils der DDR am Anlagen- und Maschinenexport in die sozialistischen Länder seien. Diese brachten der DDR keine westlichen Devisen. Während sich auch im Jahre 1961 die wirtschaftlichen Schwierigkeiten der DDR kontinuierlich verstärkten, verlief die Konjunktur in der Bundesrepublik besonders günstig. Die Wahrnehmung des andauernden Wirtschaftswunders der DDR-Bürger vor allem durch westdeutsche Medien ließ das Gefühl der eigenen wirtschaftlichen Unzulänglichkeit weiter verschärft hervortreten. Die politische Führung machte öffentlich neben der hohen Verschuldung in kapitalistischen Ländern, den Arbeitskräftemangel sowie die Exportstruktur, jedoch vor allem die "offenen Grenzen" für die eigenen wirtschaftlichen Probleme verantwortlich. Daß die Sicherung der eigenen politischen Macht, der Aufbau und Unterhalt von Apparat, Parteien und Massenorganisationen jedoch ebenfalls einen großen Teil der Wirtschaftskraft in Anspruch nahm und somit unproduktiv machte, verschwieg man. Ein Bericht des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) verzeichnete im Jahr 1960 in DDR-Betrieben insgesamt 234 Arbeitsniederlegungen, an denen sich knapp 2.400 Arbeiter beteiligten, ein Signal, das die SED-Führung zum entschlossenen Handeln zwang. Neben der Absetzung mehrerer bezirklicher Funktionäre wurden Kritiker wieder vermehrt der "Hetze und Staatsverleumdung" geziehen, die im Verlauf des Jahres 1961 insgesamt zu stark gestiegenen Häftlingszahlen führte. Der Ruf nach freien Wahlen sowie das massenhafte Abwandern von Produktivkräften in den Westen riefen in der SED-Führung das Trauma des 17. Juni 1953 wieder wach - eine Lösung mußte gefunden werden - auch eine ungewöhnliche, wenn nötig. (1) Wer baute die Mauer? Die Entscheidung für den Bau der Mauer war bereits Anfang August in Moskau im Rahmen der Tagung der Ersten Sekretäre der kommunistischen Führungsparteien der Staaten des Warschauer Paktes gefallen. Kurz danach begann die SED-Führung mit den Planungen zur praktischen Durchführung. Als ZK-Sekretär für Sicherheitsfragen zeichnete der spätere Staats- und Parteichef und Ulbricht-Nachfolger, Erich Honecker, verantwortlich. Nur der innerste SED-Führungszirkel war im Bilde, größte Geheimhaltung war angeordnet worden. Am 12. August um 16.00 Uhr unterzeichnete der Erste Sekretär des ZK der SED und Staatsratsvorsitzende Walter Ulbricht die Befehle zum Bau der Mauer. Als "X-Zeit" legte er den 13. August, 1.00 Uhr, fest. Bereits um 1.11 Uhr meldete die Ost-Berliner Nachrichtenagentur ADN, daß die DDR Maßnahmen ergreife, um "eine zuverlässige Bewachung und eine wirksame Kontrolle" der Grenze zu den Westsektoren von Groß-Berlin zu ermöglichen. (2) Noch kurz vorher behauptete er tatsächlich öffentlich: "Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten". |
Erstellt: 01.02.2000, aktualisiert 12.05.2000