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Helden wie wir - Roman

"Helden wie wir" Thomas Brussig
Autor: Thomas Brussig.

Gebundene Ausgabe - 322 Seiten (1995), Volk u. Welt, Berlin; DM 36,00 (EUR 18,41)

Taschenbuch - 322 Seiten (1998), Fischer-TB.-Vlg., Ffm; DM 16,90 (EUR 8,64)

mwu. Ja, das Buch ist einen Tag älter. Aber demnächst kommt es als Film in die Kinos, und als Theaterstück tourt es schon dieses Jahr durch die Republik. Grund genug also, sich die Schwarte mal näher anzuschauen.
Bei der Einordnung des Buches in Romangattungen streiten sich selbst noch die Literaturwissenschaftler. Ist es nun ein Entwicklungsroman (weil es um die Entwicklung einer Persönlichkeit geht) oder Schelmenroman (weil es aus dem Blickwinkel eines modernen Till Eulenspiegel geschrieben ist)? Das kann Ihnen relativ egal sein, ich halte es zwar für letzteres, aber grau ist alle Theorie. Und grau ist dieses Buch sicher nicht, eher beißend schrill. Manche halten "Helden wie wir" für den bisher gelungensten Versuch des einzig wahren Wende-Romans.


Kurz gesagt geht es in Brussigs Roman darum, wie es dazu kommt, daß ein verklemmter Jüngling mit zu klein geratenen Genitalien erst Stasi-Spitzel wird und dann, nachdem durch einen Zusammenstoß mit einem Demo-Plakat sein bestes Stück enorm zu wachsen anfängt, die Mauer zu Fall bringt - durch Herunterlassen der Hosen, und das ist wörtlich zu nehmen -und Porno-Star wird.

Das ist Ihnen schon zu obszön, zu skurril, zu sexuell? Dann lassen sie von "Helden wie wir" die Finger. Es ist ein böses Buch, es ist mehr als obszön und eine gute Portion zynisch.

Wer über derbe Satiren lachen kann, der darf zuschlagen - und Spaß haben.

Der Roman ist eben von Anfang an eine Satire, und das ist sein Vorteil gegenüber anderen Büchern. Hier bekommt jeder sein Fett weg, egal ob "Ost" oder "West". Die Gesellschaftssatire ist wirklich amüsant. Klaus Uhltzscht (dieser unaussprechliche Name ziert den Hauptdarsteller) berichtet einem Psycho-Therapeuten die Geschichte seines Lebens. Von Geburt über Jugend in der DDR, sexuellen Abenteuern und Militärdienst, einem neuen Beruf (Stasi-Spitzel) und der Phase der Demonstrationen und des Mauerfalls. Geschlagen mit einer Übermutter (Hygiene-Inspektorin) und einem Vater (auch bei der Stasi) taumelt Klaus durchs Leben. Neben den gut angelegten, satirisch überzogenen Charakteren wie den Kollegen bei der Stasi und der Mutter finden sich viele kleine, spitze Hiebe in Richtung bekannter Persönlichkeiten, beispielsweise Christa Wolf. Während ich über die Selbstbefriedigungs-Szene im Treppenhaus (Klaus wird auf den dadurch hervorgebrachten "Mikro-Fischen" noch ausrutschen und sich die Hände brechen) lachen konnte, fand ich andere Szenen zu brutal überzeichnet. Aber gerade die pubertären Sorgen, mit denen sich Klaus quält (wo bekommt man Bettwäsche her, auf der die weißen Flecken morgens nicht auffallen?), haben mich zum Grinsen gebracht.

Die "Wende" an sich wird in ihren Ursprüngen und Abläufen nicht nachvollzogen, und das Buch ist sicher kein Schlüsselroman zum Charakter "der" Ostdeutschen. Aber gerade, weil der Roman dies auch gar nicht zu sein beansprucht, hat er mir ausgesprochen gut gefallen. Er ist eben durch und durch nicht ernst zu nehmen, obwohl Brussig behauptet, er habe mit dem Buch einen ernsthaften Anstoß zur Auseinandersetzung mit der DDR geben wollen.

Ein Literaturwissenschaftler hat über diesen Roman etwas - meiner Meinung nach - sehr Treffendes gesagt: Innerhalb der Bücher, die sich dem Durchdenken der DDR-Geschichte widmen, wirke "Helden wie wir" wie "Das Leben des Brian" innerhalb der Jesus-Filme.

Ich habe mich jedenfalls köstlich amüsiert - ich mag diese Art von Humor. Und bin auf die Umsetzung als Kino-Film sehr gespannt.

Für mich persönlich verdient dieses Buch also: 5 Sterne von 5.


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