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Am kürzeren Ende der Sonnenallee. - Roman

"Am kürzeren Ende der Sonnenallee." Thomas Bruss
Autor: Thomas Brussig.

Gebundene Ausgabe - 156 Seiten (1999), Volk u. Welt, Berlin. DM 28,00 (EUR 14,32)

mwu. Das Buch zum Film ist erschienen. Und es hat mit dem Film viel zu tun, denn es ist nicht die Vorlage des Streifens, sondern parallel entstanden. Thomas Brussig dankt Regisseur Leander Haußmann ausdrücklich im Vorwort für die Ideen, die aus der gemeinsamen Arbeit eingeflossen sind.
Gerade ist der Jungautor (geboren 1965) mit seinem neuesten Roman frisch ausgewählter Träger des "Hans-Fallada-Preises" der Stadt Neumünster und kann auf so prominente Vorgänger wie Erich Loest und Günter Grass schauen.

Aber auch wenn ich aus dieser Stadt in Norddeutschland stamme, finde ich die Wahl eher schwach. "Am kürzeren Ende der Sonnenallee" hat mir persönlich bei weitem nicht so gut gefallen wie "Helden wie wir". Zwar hat die Story einige gute Pointen und witzige Einfälle, die einen geradezu zum Schmunzeln zwingen - aber die Handlung insgesamt ist eher dünn bestückt. Die DDR mitsamt ihrer Sonnenallee im Ostberliner Stadtteil Baumschulenweg, welche die "Zonengrenze" verstümmelt, dient im Grunde genommen nur als Folie, vor deren Hintergrund sich ein Kaleidoskop der Jugendszene entwickelt. Der Staat und die Umstände sind nicht viel mehr als eine Kulisse.


Der Held heißt Micha Kuppisch, hat sich unsterblich in Miriam verknallt und damit ein Problem - denn alle anderen seiner Clique sind es auch. Nur Miriam spielt da nicht mit - sie versucht sich lieber an Westlern. Wie Micha Miriam am Ende doch noch bekommt, ist der zentrale Erzählstrang. Die Hindernisse auf dem Weg sind urkomisch - von der schwitzigen Atmosphäre der ersten Tanzstunden über Mißverständnisse am Telefon - Brussig kennt die Nöte Pubertierender genau. Soweit könnte die Handlung auch im Westen spielen - wenn da nicht noch einige besondere Umstände wären, die - gespickt mit Brussigs Talent zu sprachlichen Kapriolen - das Ganze DDR-spezifisch machen.

Ob der Liebesbrief, der ungelesen in den Todesstreifen flattert (und den sich die Jungs vergeblich bemühen, auf verschiedene Arten zurückzuholen - der "Superstaubsauger" ist der Höhepunkt des Erfindungsreichtums), ein tyrannischer Abschnitts-Bevollmächtigter, Schikanen in der Schule oder die "Westverwandtschaft" in Form von Onkel Heinz, der mühsam Smarties im Hosenbein schmuggelt und dessen Husarenstück die Überführung eines Anzugs unter seinem Anzug ist, wofür er sich 30 Pfund abhungert - das sind skurrile Ideen, die das Buch lesenswert machen.

Das Ende fand ich jedoch ausgesprochen schwach. Obwohl der Autor sich mit Obszönitäten und vollkommen überzogenen Satiren, die "Helden wie wir" auszeichnen, merklich zurückhält, pendelt der Schluß wieder in diese Richtung - und wirkt dadurch aufgesetzt.

"Am kürzeren Ende der Sonnenallee" ist lange nicht so böse wie sein Vorgänger, und daher schwankt es bedrohlich Richtung "Ostalgie".

Unsere Wertung 3 Sterne!


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Artikelbewertung Gesamtbewertung: 1 - Bewertung: 3.00

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